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Ob plötzlicher Todesfall, schwerer Unfall oder Amoklauf – wo immer Menschen belastenden Ereignissen ausgesetzt waren, sind die Einsatzkräfte in den violetten Jacken der Notfallseelsorge präsent – im Landkreis St. Wendel seit einem Vierteljahrhundert. Das Jubiläum wurde mit einem ökumenischen Gottesdienst in St. Wendel-Alsfassen mit anschließendem Empfang festlich begangen.
Im Jahr 2000 seien im Landkreis St. Wendel Leute zusammengekommen mit der Frage, wie anderen Menschen in den schweren Stunden des Lebens beigestanden werden könne, blickt Peter Munkes, Leiter der Notfallseelsorge St. Wendel, zurück. Nach anderthalb Jahren Konzeption, Planung und Ausbildung konnten am 1. August 2001, kurz vor den Anschlägen des 11. Septembers, sechzehn Frauen und Männer der neuen Einsatzgruppe St. Wendel ihren Dienst antreten – damals wie heute rein ehrenamtlich. Der Anfang sei herausfordernd gewesen, berichtet Munkes, nicht zuletzt aufgrund der kaum vorhandenen Ausrüstung. „Wir hatten nicht viel mehr gelbe Jacken und zwei Koffer aus dem Baumarkt“. Doch das Engagement vieler Menschen, die ihr Herzblut hineingesteckt hätten, habe die Notfallseelsorge zu dem gemacht, was sie heute sei. „Die Notfallseelsorge hat mir gezeigt, dass Menschenliebe nicht laut sein muss, sondern eine Hand, die hält, wenn Worte nicht mehr ausreichen“, sagte Munkes, der selbst seit Beginn an dabei ist.
Die Last der anderen tragen – auch in der „Blaulichterfamilie“
„Sie schenken anderen von ihrer eigenen seelischen Kraft, um sie zu unterstützen“, wandte sich Pfarrer Markus Karsch vom evangelischen Kirchenkreis An der Saar in seiner Predigt an die Notfallseelsorgenden. Die Erlebnisse streife man nicht einfach mit der Einsatzjacke ab. Umso wichtiger sei es, dass es auch die Unterstützung für die Notfallseelsorgen in deren Umfeld gebe, im Kollegenkreis oder der Familie, sagte Karsch im Hinblick auf das Leitwort des Gottesdienstes, „Einer trage des anderen Last“.
Das „stolze Jubiläum“ der Notfallseelsorge St. Wendel mache deutlich, „wie sehr die ‚Blaulichtfamilie‘ zusammengewachsen ist“, betonte auch Pfarrer Ulrich Graf von Plettenberg, Bischofsvikar im Bistum Trier. Denn die Aktiven der Notfallseelsorge kommen nicht nur aus den Kirchen. Auch Angehörige von Polizei, Einsatz- und Rettungsdiensten sowie Interessierte ohne Verbandszugehörigkeit können bei entsprechender Eignung die Ausbildung absolvieren.
Erstmals kirchliche Beauftragung der Notfallseelsorgenden
Das silberne Jubiläum ist auch Ausgangspunkt für eine neue Tradition, denn im Rahmen der Veranstaltung erhielten die derzeit 18 aktiven Notfallseelsorgenden im Landkreis St. Wendel erstmals die offizielle kirchliche Beauftragung. Eine Urkunde, ausgestellt vom Bistum Trier und dem evangelischen Kirchenkreis An der Saar, belegt den ökumenischen Auftrag. Die Beauftragung gilt zunächst für fünf Jahre und kann anschließend verlängert werden.
Bisher sei die Frage der Beauftragung regional und konfessionell unterschiedlich gehandhabt worden, erzählt Daniela Standard, die beim Bischöflichen Generalvikariat zuständige Referentin für die Notfallseelsorge. In den letzten beiden Jahren habe sie zusammen mit einer Kollegin von der Evangelischen Kirche im Rheinland ein Konzept entwickelt, das nun allen Pastoralen Räumen und Kirchenkreisen angeboten werde. Die Einsatzgruppe St. Wendel der Notfallseelsorge Saar ist erst die zweite Gruppe, die diesen ökumenischen Auftrag erhalten.
„Das ist für die Notfallseelsorgenden ein Bekenntnis, sich kirchlich zugehörig zu fühlen“, sagt Standard, die selbst seit zwei Jahrzehnten Notfallseelsorgerin ist. Zum anderen ermögliche die Beauftragung den Seelsorgenden ein Zeugnisverweigerungsrecht, auch wenn sie selbst nicht bei der Kirche angestellt seien.
Der kirchliche Auftrag – für Peter Munkes ist er auch ganz persönlich wichtig. Es gebe im Alltag eines Notfallseelsorgers Erlebnisse, die nie verblassten, Dinge, die man nicht verändern könne, berichtete er im Gottesdienst. Doch „wir konnten uns aufeinander verlassen – und auf den Glauben, der uns getragen hat“. Dieser Glaube bedeute für ihn, „dass Gott gegenwärtig ist, wo Menschen füreinander da sind“.
Info: Die Notfallseelsorge im Saarland begleitet Menschen in akuten Krisen- und Notsituationen – etwa nach einem plötzlichen Todesfall, einem schweren Unfall oder anderen traumatischen Ereignissen. Sie leistet psychosoziale und seelsorgliche Ersthilfe, hört zu und hilft, die ersten Stunden zu bewältigen. Außerdem kümmert sich die Notfallseelsorge um die Nachsorge für Einsatzkräfte. Träger ist der Verein Notfallseelsorge und Krisenintervention im Saarland e. V., in dem kirchliche und nicht-kirchliche Partner zusammenwirken. Viele Einsatzkräfte engagieren sich dabei auch in Feuerwehr, THW oder anderen Organisationen.
Weitere Informationen über die Notfallseelsorge und Krisenintervention Saarland e.V. unter: www.psnv-saarland.de